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Viele Museen geben Einblick in die Welt der Fürsten vergangener Zeiten. Doch wie lebten die einfachen Menschen? Davon erzählt das Museum KulturLand Ries in Maihingen so anschaulich, dass der Rundgang durch die Ausstellungen zur Zeitreise durch drei Jahrhunderte wird.

Zum Glück gibt es Menschen wie Maria Herrmann: Die Rieserin hat wohl nie etwas weggeworfen. Ihre umfangreiche Garderobe wurde Teil der Sammlung des Museums KulturLand Ries und eines ihrer Kleider erzählt nun in der Ausstellung seine Geschichte. Immer wieder kommt es vor, dass Angehörige sich nach einem Todesfall melden, erzählt Conny Zeitler, die das Museum seit 2022 leitet. „Im Idealfall gibt es einen Kaufbeleg, ein Foto mit demjenigen, dem das Objekt gehört hat, Zeitzeugen, die etwas dazu erzählen können. Es sind diese Geschichten, die wir brauchen, um die Objekte in der Ausstellung zum Sprechen zu bekommen“, erklärt die Museumsleiterin.

Diese Geschichten handeln vom Leben der Menschen im Ries in den vergangenen rund 300 Jahren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Alltagskultur, der andere auf der Entwicklung der Landwirtschaft. Dazu kommen mehrere Sonderausstellungen pro Jahr. Schon bei der Ankunft beeindrucken die Museumsgebäude. Sie gehören zum Komplex des ehemaligen Klosters Maihingen in dem gleichnamigen Ort nahe der Stadt Nördlingen: Im ehemaligen Brauhaus wurde 1984 das „Rieser Bauernmuseum“ eröffnet. Dort ist heute auf vier Stockwerken die Ausstellung „300 Jahre Alltagskultur im Ries“ zu sehen.

„Wir brauchen die Geschichten, um die Objekte in der Ausstellung zum Sprechen zu bekommen.“

Conny Zeitler

Von Handarbeit bis Hanomag

Die zweite Dauerausstellung ist in der ehemalige Klosterökonomie zu sehen. Der Eingang durchs Scheunentor passt perfekt zum Thema, denn hier dreht sich alles um die „Rieser Landwirtschaft im Wandel“. „Über Jahrhunderte hinweg hat sich in der Landwirtschaft relativ wenig bewegt“, weiß Conny Zeitler, „dann ist von 1800 bis 1950 unglaublich viel passiert.“ Museumsgäste erleben diese Veränderungen von der Handarbeit bis hin zu modernen Maschinen und von den Pächtern, die Abgaben leisten mussten, hin zum Bauern als Landbesitzer und Unternehmer. Wie aufwendig war es, die Produkte zum Verkaufen auf den Markt zu bringen? Wie lief ein Tag bei der Heuernte ab? Immer wieder machen interaktive Stationen, Geräuscheffekte, Filme und Hörtexte die Informationen anschaulich.

Und das ist noch nicht alles: „Die Stärke des Museums ist, dass wir vieles praktisch zeigen können“, meint die Leiterin. „Man schaut sich nicht nur die Ausstellungen an, sondern kann auch den Museumsgarten entdecken.“ Dieses ummauerte Fleckchen Land am Bachlauf ist das Zuhause mehrerer Bienenvölker und bietet auch Platz für Schaufelder. So können Neugierige im Museum zum Beispiel den Weg vom Korn über das Mehl bis hin zum Brot hautnah mitverfolgen. Bei Veranstaltungen wie dem Schnitterfest (26. Juli 2026) oder dem Kartoffelfest (6. September 2026) sind die Gäste bei der Ernte aktiv dabei. Dazu kommen zahlreiche Angebote für Gruppen oder Kindergeburtstage und Aktionstage für Klein und Groß. Letztere können zum Beispiel Imkern oder im Herbst Rübengeister schnitzen.

Neben den Angeboten für Kinder rückt das Museum nun – auf Anregung der Besucherinnen und Besucher – das Thema Teambuilding stärker in den Fokus. Außerdem gibt es einige digitale Angebote wie die MuseumsApp und ein Quiz zur Landwirtschaft früher. Auch Geocaching gehört dazu. Die Museumsleiterin findet diese Verknüpfung in die Moderne wichtig: Digitale Angebote eröffnen neue Möglichkeiten, machen das Museum inklusiver und wecken die Neugier. „So kommen die Leute mit dem Museum in Kontakt und meistens schaffen wir es, sie positiv zu überraschen,“ freut sich Conny Zeitler.

Ein weiterer Berührungspunkt ist 2025 in Nördlingen entstanden: Dort wurde das neue Sammlungszentrum des Museums eröffnet. Hier können Objekte, die momentan nicht in den Dauerausstellungen sind, nun besser gelagert und erforscht werden. Bei Aktionstagen vor Ort soll die Öffentlichkeit Einblick in die Arbeit des Museumsteams bekommen.


Ein tierisch spannender Tag

Schafe hüten und scheren, Wolle spinnen und verarbeiten – wie das geht, können Neugierige live erleben. Mitmach-Aktionen, Führungen, Kunsthandwerk und kulinarische Spezialitäten von Schafskäse und Lamm bis Kaffee und Kuchen erwarten die Gäste am 8. Donau-Rieser Schaftag am 27. September 2026 in Maihingen.

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Erinnerungen im Tante-Emma-Laden

Conny Zeitler ist davon überzeugt, dass sich der Streifzug durch die Rieser Geschichte für alle lohnt – auch wenn sie keinen persönlichen Bezug zu der Gegend haben. Mit dem Blick von außen könne man die Eigenheiten der Rieserinnen und Rieser erkunden, aber auch Gemeinsamkeiten entdecken. Spätestens in der Ausstellung zur Alltagskultur, zwischen Aussteuertruhen aus dem 19. Jahrhundert, dem Friseursalon aus den 1950ern, dem alten Schulzimmer und den Haushaltsgeräten aus vielen Jahrzehnten entdecken die meisten etwas, das Erinnerungen weckt. Früher oder später fangen die Leute dann an, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, weiß die Museumsleiterin: „Diese kleinen Zeitreisen mit persönlichen Erinnerungsmomenten – die sind unsere Stärke.“